Versandkosten beim Rücktritt - Wer muss welche Kosten tragen?

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Die Hinsendekosten

Grundsätzlich haben Unternehmer den Kunden die Lieferkosten zu refundieren. Das gilt nicht, wenn der Kunde eine besondere Lieferart ausgewählt hat (z.B. Expressversand). In diesem Fall hat der Kunde den Differenzbetrag zur Standardlieferung selbst zu tragen.

Das gilt mit der Einschränkung, dass

  1.  die vom Online-Shop angebotene Standardlieferung normal und akzeptabel ist,

  2. der Verbraucher sich ausdrücklich für die besondere Versandart entschieden hat und

  3. das Unternehmen ihn über seine Kostentragung im Rücktrittsfall informiert hat.

 

Sonderfall: Teilrücktritt

Bei einem Teilrücktritt ist die Unterscheidung zu treffen, ob das Unternehmen die Hinsendekosten je Ware oder für die Gesamtbestellung in Rechnung stellt. Im ersten Fall muss der Anbieter die Lieferkosten für die vom Widerruf betroffene Ware zurückerstatten. Im zweiten Fall ist von ihm die Berechnung anzustellen, welche Kosten die vom Rücktritt betroffene Ware bei einer Einzelbestellung verursacht hätte: Diesen Geldbetrag hat er dem Kunden zu überweisen.

Bietet das Unternehmen ab einem bestimmten Bestellwert eine kostenlose Lieferung an, die der Verbraucher durch den Teilrücktritt vom Vertrag unterschreitet, hat dieser die Hinsendekosten nachträglich zu bezahlen. Dafür ist jedoch eine ausdrückliche Vereinbarung in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen („AGB“) des Online-Shops notwendig. Darin muss das Unternehmen den Kunden darüber informieren, dass es für die Berechnung des Bestellwerts ausschließlich die endgültige Bestellung – nach der Ausübung des Rücktrittsrechts – heranzieht.

 

Die Rücksendekosten

Die unmittelbaren Kosten der Rücksendung der Ware sind vom Verbraucher zu tragen. Das gilt nicht, wenn der Unternehmer sich bereit erklärt hat, diese Kosten zu tragen, oder wenn er es unterlassen hat, den Verbraucher über dessen Kostentragungspflicht zu unterrichten (§ 15 Abs 2 FAGG).

Ausnahme: Sperrige Güter

Bei Waren, die normalerweise nicht mit der Post versandt werden können (z.B. Möbelstücke), muss das Unternehmen seine Kunden vorab informieren, wie hoch die dafür anfallenden Rücksendekosten sind. Unterlässt er das, ist der Kunde nicht verpflichtet, die zusätzlichen und sonstigen Kosten für den Rückversand zu zahlen.

Keine Gutschrift erlaubt

Unternehmen haben für die Rückerstattung der Kosten jenes Zahlungsmittel zu verwenden, dessen sich der Kunde bedient hat. Ein Gutschein oder eine Kontogutschrift sind nicht zulässig.

Fristen

Das Unternehmen hat Kunden die Kosten unverzüglich zurückzuerstatten. Liegen besondere Umstände vor, ist dafür die Höchstgrenze von 14 Tagen vorgesehen.

 

Unternehmen, die sich nicht an diese Pflichten halten, begehen eine Verwaltungsübertretung und sind mit einer Geldstrafe bis zu 1 450 Euro zu bestrafen.

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